Das NARM® Modell

Komplexe Entwicklungstraumata heilen: NARM – ein psycho-biologischer Trauma-Ansatz

Haben Sie das Gefühl, in alten Mustern festzustecken?

Fällt es Ihnen schwer:

  • Verbindung zu sich und anderen aufzunehmen
  • Beziehungen einzugehen
  • Ihre Bedürfnisse zu äussern
  • klare Grenzen zu setzen?

Wenn in unserer Kindheit essenzielle biologische und psychologische Grundbedürfnisse nicht erfüllt wurden, mussten wir uns anpassen, um zu überleben und die Beziehung zu unseren Eltern oder Erziehenden so gut wie möglich sicherzustellen. Im NARM® (Neuro Affektive-Relational-Model) nennen wir diese Schutzmechanismen Überlebensadaptationen oder Anpassungsmuster.

Damals retteten diese Muster Ihre Bindung zu den Bezugspersonen. Heute blockieren sie oft unbewusst Ihr Leben, Ihre Beziehungen und Ihre Vitalität.

Barbara Frick Luzern - Feldenkrais/Somatic Experiencing
Die 5 Kernbedürfnisse nach NARM und ihre Überlebensadaptationen

Wie frühkindliche Prägungen unsere heutigen Beziehungs- und Verhaltensmuster steuern.

1
Kontakt (Verbindung)

Entwicklungsphase: Schwangerschaft, Geburt, erste Lebensmonate

Das Grundbedürfnis: Das Gefühl, auf dieser Welt willkommen zu sein. Sich im eigenen Körper und in der Familie sicher und geborgen zu fühlen.

Die Kernressource: Die Kapazität, mit dem eigenen Körper und den eigenen Gefühlen in Kontakt zu sein und Beziehungen zu anderen einzugehen.

Symptome bei Mangel
  • Wenig oder gar keine Verkörperung
  • Chronische Angst
  • Tiefe Existenznot
  • Das Gefühl «falsch oder anders» zu sein oder nicht dazuzugehören
Überlebensadaptation (Kontakt-Stil)
  • Rückzug aus dem eigenen Körper in den Intellekt, in die Spiritualität oder in Fantasiewelten
  • Vermeidung von Nähe aus Angst vor Abweisung
  • Häufiges Gefühl von innerer Leere oder Taubheit
2
Einstimmung (Einfühlung)

Entwicklungsphase: Frühes Säuglingsalter (bis ca. 1½ Jahre)

Das Grundbedürfnis: Dass die Bezugsperson die körperlichen und emotionalen Bedürfnisse (Hunger, Trost, Nähe, Sicherheit) erkennt und feinfühlig beantwortet.

Die Kernressource: Die Kapazität, die eigenen Bedürfnisse und Gefühle überhaupt wahrzunehmen, zu benennen und zu wissen, was man braucht.

Symptome bei Mangel
  • Das Gefühl, nie genug zu bekommen
  • Oder die Überzeugung, keine Bedürfnisse haben zu dürfen
Überlebensadaptation (Einstimmungs-Stil)
  • Fokus liegt extrem auf den Bedürfnissen anderer Menschen
  • Eigene Bedürfnisse werden unterdrückt oder heruntergespielt
  • Häufige Erschöpfung, weil man sich für das Wohlergehen anderer aufopfert
3
Vertrauen

Entwicklungsphase: Kleinkindalter (ca. 3. Lebensjahr)

Das Grundbedürfnis: Sich auf die Eltern verlassen zu können. Eine gesunde Abhängigkeit leben zu dürfen, während man beginnt, die Welt zu erkunden.

Die Kernressource: Die Kapazität zu gesundem Vertrauen und gesunder Abhängigkeit. Die Gewissheit, dass man anderen vertrauen kann, ohne ausgenutzt zu werden.

Symptome bei Mangel
  • Tiefe Angst vor Schwäche, Abhängigkeit oder davor, kontrolliert zu werden
Überlebensadaptation (Vertrauen-Stil)
  • Niemand wird vertraut, Kontrollieren anstatt kontrolliert zu werden
  • Streben nach Erfolg, Macht, Dominanz, um innere Leere zu vermeiden
4
Autonomie

Entwicklungsphase: Späteres Kleinkindalter bis Kindergarten (ca. 3.–4. Lebensjahr)

Das Grundbedürfnis: Grenzen setzen zu dürfen, «Nein» sagen zu dürfen, ohne dafür die Liebe oder die Beziehung zu den Eltern zu verlieren.

Die Kernressource: Die Kapazität, klare Grenzen zu setzen. Nein zu sagen, wenn etwas nicht passt, und die eigene Meinung zu vertreten.

Symptome bei Mangel
  • Schuldgefühle bei Abgrenzung
  • Innerer Groll, äusserlich freundlich
  • Konfliktvermeidung
Überlebensadaptation (Autonomie-Stil)
  • Sich zu viel Arbeit aufladen, um Nein zu vermeiden
  • Es allen recht machen wollen (People Pleasing), während sich innerlich Groll anstaut, passive Aggressivität
  • Echte Nähe vermeiden, um Autonomie zu bewahren
5
Liebe – Sexualität

Entwicklungsphase: Vorschul- und Grundschulalter (ca. 4.–6. Lebensjahr)

Das Grundbedürfnis: Mit einem offenen Herzen zu lieben und geliebt zu werden. Die eigene Identität und den Körper (inklusive Geschlechtlichkeit) als gut und schön zu erleben.

Die Kernressource: Die Fähigkeit, mit offenem Herzen zu lieben. Liebe und körperliche Identität harmonisch miteinander zu leben.

Symptome bei Mangel
  • Trennung von Herz und Sexualität
  • Perfektionismus auch in der äusseren Erscheinung
Überlebensadaptation (Liebe-Sexualitäts-Stil)
  • Verwechslung von Bewunderung und Liebe
  • Wert wird an Aussehen und Leistung gekoppelt
  • Ständiger Druck, perfekt sein zu müssen
  • Trennung von Intimität: Entweder gibt es Sex ohne emotionale Nähe oder emotionale Nähe ohne körperliche Intimität

Quelle: Larry Heller und Brad Kammer, Praxisbuch «Organisationsprinzipien von NARM»

Der Fokus von NARM in der Praxis

Im Gegensatz zu klassischen Traumatherapien beschäftigt sich NARM nicht primär mit der Vergangenheit.
Dieser psycho-biologische Entwicklungstrauma-Ansatz arbeitet im Hier und Jetzt und stellt die zentralen Fragen:

  1. Wie behindere ich mich heute selbst darin, in Verbindung mit mir und anderen zu sein? (Erkennen der Überlebensmuster)
  2. Was hält mich davon ab, meinen Wesenskern jetzt in mein Leben zu integrieren?
  3. Was geschieht auf der körperlichen und emotionalen Ebene, wenn ich mich mir zuwende und meine Überlebensstrategien aufgebe?

Die Antriebskraft des NARM- Ansatzes

«Die spontane Bewegung in uns allen zielt auf Kontakt. Ganz gleich wie zurückgezogen und isoliert wir sein mögen und ungeachtet der Schwere des Traumas, das wir erlebt haben, gibt es- genauso wie eine Pflanze die sich spontan auf die Sonne zubewegt- in jedem von uns auf der tiefsten Ebene einen Impuls in Richtung Verbundenheit.

Dieser organismische Impuls ist die Antriebskraft der NARM-Arbeit.“

Dr. Laurence Heller

Literatur:
Entwicklungstrauma heilen
von Dr. Laurence Heller PhD
Kösel Verlag
ISBN 978-3-466-30922-1

Der therapeutische Prozess mit dem NARM Modell:

Die therapeutische Arbeit mit NARM ist eher Prozess-als lösungsorientiert. Wir arbeiten im Hier und Jetzt in der therapeutischen Beziehung, aus der heraus sich ein duales Gewahrsein für den Zusammenhang zwischen erlernten Anpassung Strategien und deren einschränkende Auswirkung in unseren Klienten/innen entwickeln kann. Dabei richten wir den Fokus auf die wechselseitige Beziehung zwischen biologischer und psychologischer Entwicklung und fördern die Entwicklung einer somatischen Achtsamkeit. Je mehr die Klienten/innen lernen die innere und äussere Welt durch die Brille des JETZT zu betrachten, umso klarer wird ihre Fähigkeit zu Kontakt/ Bindung und Abgrenzung und zur Individuation.